1. #1

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    Heftige Aggression aus Angst

    Hallo liebe Hundefreunde,

    Ich bin ganz neu in diesem Forum, da ich hoffe gute Ratschlaege und Hilfe bei meinem Problem zu bekommen.
    Ich arbeite seit einem Jahr zweimal die Woche ehrenamtlich mit den Hunden in einem Tierheim in Bruessel. Hierbei geht es um einen Hund, der mir besonders am Herzen liegt - ich arbeite schon seit fast einem halben Jahr mit ihm, aber er findet einfach kein Zuhause, weil er sich im Zwinger immernoch sehr aggressiv und bissig gegenueber Fremden (vor allem Maennern) zeigt. Ich weiss einfach nicht mehr was ich machen soll!

    Es handelt sich um einen ca. 8 jaerigen mittelgrossen Terrier-Mischling, ein unkastrierter Ruede namens Lucky.
    Zu seiner Vergangenheit ist leider nur Ungefaeres bekannt. Die belgische Polizei beschlagnahmte ihn und 40 weitere Hunde vor sechs Monaten aus einem stark verwahrlosten Haushalt. Die Tiere
    wurden dann auf zwei Organisationen aufgeteilt, wovon 25 in unser Tierheim kamen - darunter auch Lucky.
    Alle Tiere waren stark verfilzt, abgemagert, von Parasiten befallen und teilweise verletzt. Menschenkontakt war fuer die uebergrosse Mehrheit voellig fremd.

    Lucky zeigte sich von Anfang an aus Angst und vermutlich auch aus einem Trauma heraus als sehr aggressiv. Die ersten drei Monate, die er im Tierheim verbrachte, war es unmoeglich, sich seinem Zwinger zu naehern oder gar ihn zu betreten. Ich beschaeftigte mich von Anfang an intensiv mit ihm und 4 weiteren Hunden, bei Lucky bestand diese "Arbeit" jedoch Anfangs nur aus vor-dem-Zwinger-sitzen. Das Lucky es Ernst meinte, zeigte sich leider in mehreren Beissvorfaellen, darunter zwei blutige Haende seitens der Pfleger und eine wunderschoene Reihe dunkelblau-lilaner Zahnabdruecke auf meinem Handruecken.

    Seit den letzten drei Monaten hat sich jedoch viel getan. Das erste Mal in den Zwinger gehen, anfassen, Training mit der Leine, das erste Mal rausgehen. Lucky zeigt sich draussen in keiner Situation aggressiv, jedoch sehr aengstlich und musste an saemtliche Geraeusche, Eindruecke, fremde Menschen und andere Situationen erst sehr langsam heran gefuehrt werden. Mittlerweile laeuft er perfekt an der Leine, orientiert sich draussen am Menschen und laesst sich aus Stresssituationen, die vorher Panik ausloesten, gut herausholen und abfangen.

    Er ist jetzt einer von nur noch 4 Hunden, die sich aus den urspruenglichen 25 derzeit noch im Tierheim befinden. So gut wie seine Fortschritte draussen auch sein moegen, Besucher schreckt er leider immernoch durch sein sehr aggressives Verhalten am Zwinger-Gitter ab, wobei er leider immernoch versucht zu beissen.
    Vermutlich hat er dieses Verhaltensmuster aufgebaut, um sich vor Menschen zu beschuetzen und sie von sich weg zu halten. So ging er mit der neuen, unglaublich beaengstigenden Situation um, neu in ein Tierheim gekommen zu sein - und das klappte ja auch immer hervorragend. Nun habe ich das Gefuehl, dass sich dieses Verhaltensmuster eingequarzt hat, als eine Taktik. Interessant ist hierbei naemlich auch, dass er dieses Verhalten auch immernoch bei mir zeigt (zwar etwas abgemildert), obwohl fuer mich die einzige Gefahr darin besteht, den Zwinger nicht so schnell verlassen zu koennen, weil ich den Hund nicht von meinem Schoss herunter bekomme.

    Wie gesagt, das aggresive Verhalten bezieht sich nur auf den Zwinger! Fuer Tips im Umgang mit diesem Problem waere in unglaublich dankbar, weil es mir sehr am Herzen liegt, dass Lucky nach 8 Jahren in Vergessenheit endlich eine Familie bekommt!

    Vielen Dank im Vorraus!

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    AW: Heftige Aggression aus Angst

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  3. #2
    Moderator Avatar von mottine
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    AW: Heftige Aggression aus Angst

    Du hast schon viel geleistet. So aus der Ferne sehr schwer.

    Wichtig: man muß sich klar sein, das so ein Hund evt. nie in eine Familie mit Kindern kommen sollte, denn kippt er doch mal wieder um, wäre dies verantwortungslos. Ein Kind kann eine Situation unbewußt auslösen, anders als ein Erwachsener, Einzelperson, die sich mit dem Problem ein Hundeleben lang beschäftigt.

    Leichter wäre es auch, so habe ich es oft: so einen Hund in Pflege zu nehmen, raus aus dem TH Alltag, nur so kann man ihn wirklich kennenlernen und sein Zwingertrauma bekämpfen.
    Wichtig wäre aber auch, man muß an seine Sicherheit denken und ihn an einen Maulkorb gewöhnen, denn weiß man, wenn......kann er nicht beißen, verletzen, bewegt man sich anders und handelt ruhiger, weil man selber nicht auf dem Sprung" ist, denn man reagiert nunmal automatisch: geht der Hund vor, zieht man zurück....schon hat er Erfolg.

    Überlege weiter.

  4. #3
    Avatar von Murmelona
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    AW: Heftige Aggression aus Angst

    Schließe mich Mottine an, du hast schon großartiges geleistet, und auch, dass dieser Hund unbedingt in erfahrene Hände gehört, ohne Kinder, eventuell auch ohne andere Hunde und Katzen. Für so einen Hund kann das Tierheim ein Trauma und Stress sein, so dass du eben mit seiner Erziehung und Umkehrung an eine Grenze stößt.

    In USA gibt es die Best Friends, die sich sehr intensiv der Rehabilitation von ehemaligen Kampfhunden beschäftigen. Die Rehabilitierung dauert Jahre. Ein Zeitraum, den viele, Adoptionswillige und Tierheime, unterschätzen. Wir haben einen Angstaggressiven Catahoula, Vermeidung von Konfliktsituationen ist das beste Mittel. Ein stabiles Zuhause, Routinen, und Vermeidung. Der hat zwar noch nie gebissen (im Gegenzug wurde er schon öfter gepackt), aber ausprobieren wollen wir es nicht.

    Lucky war lucky, dass er dich gefunden hat. Mehr Zeit geben, sollte helfen.

  5. #4
    Avatar von Cocker
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    AW: Heftige Aggression aus Angst

    Hut ab vor Deiner Leistung und Geduld mit diesem armen Geschöpf!

    Meine Meinung dazu: Auf jeden Fall sollte der Hund kastriert werden (ich bin eigentlich gegen Kastration, aber vielleicht hilft es diesem speziellen Hund dabei, ein wenig runterzukommen). An eine neue "Familie" ist nicht zu denken! Niemals sollte ein aggressiver Hund in eine Familie mit Kindern vermittelt werden. Eine hundeerfahrene Einzelperson, welche dieses Problem managen kann, ist vielleicht eine Option.

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