1. #1

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    verwilderte Hunde resozialisieren?

    Hallo liebe Hundefreunde,

    ich arbeite freiwillig in einem Bruesseler Tierheim und habe eine Frage zu zwei bestmmten kleinen Fellnasen. Ich habe vor kurzem erst einen Beitrag ueber meinen Schuetzling Lucky geschrieben und hoffe auch diesmal Ratschlaege zu bekommen!

    Es geht diesmal um zwei der anderen Hunde, die aber zusammen mit Lucky ins Tierheim kamen.
    Dabei handelte es sich um eine polizeiliche Beschlagnahmung, wobei vor sechs Monaten ca. 40 Hunde aus einer Hoarding-Situation befreit wurden. Man sieht also, dass uns diese Hunde immernoch auf Trab halten!

    Hugo und Jordy sind dabei zwei Extremfaelle, und gestern habe ich gehoert dass sie bald eingeschlaefert werden sollen, da sich ihr Zustand nicht verbessert.
    Das hat mich unglaublich erschrocken, da ich sehr
    an diesen Hunden haenge, und deshalb wollte ich eure Meinung zu dieser Situation hoeren!

    Der Fall von den 25 Hunden, die wir von der Meute bei uns aufgenommen hatten, war etwas was ich zuvor noch nicht gesehen hatte.
    Die Situation musste so seit Jahren bestehen haben, da wir von Welpen und jungen Hunden ueber 4-5 Jaerige zu den aelteren 9-10 Jaerigen vermutlich drei Generationen in den Zwingern sitzen hatten.
    Hugo und Jordy gehoeren dabei zu der schwierigen 'zweiten Generation' - zu jung um frueher vielleicht einmal Menschenkontakt gehabt zu haben und zu alt um die Sozialisierung ohne weiteres im Tierheim 'nach zu holen'.

    Die Hunde kamen in einem schrecklichen Zustand an und hatten zuvor im Rudelverband in einem Haus gelebt.
    Im Tierheim wurde schnell klar dass in Sachen Sozialisierung nichts passiert ist.
    Die grosse Mehrheit der Hunde war aggressiv oder so traumatisiert, dass sie nur zitternd in der Ecke lagen.
    Als die Hunde dann auftauten wurde deutlich, wie viel Arbeit uns und den zukuenftigen Besitzern bevorstehen wuerde.

    Die Tiere konnten mit der puren Anwesenheit von Menschen nicht umgehen und wussten nicht wie sie sich zu verhalten hatten. Sie kannten kein Spielzeug, kein Koerbchen, keine Streicheleinheiten, keine Leine und kein Spazieren-gehen.
    Durch intensieve Arbeit konnten mittlerweile 21 der 25 vermittelt werden.
    Zwei der vier Uebriggebliebenen verbessern sich deutlich - nur Hugo und Jordy tauen nicht auf.

    Mir geht das Ganze unglaublich Nahe, weil ich mich selbst intensiv mit diesen Hunden beschaeftigt habe, und die anderen Freiwilligen und ich bei anderen Hunden grosse Erfolge hatten, nur bei den beiden ist kein Herankommen. Am liebsten wuerde ich sie zu mir nehmen, weil mir der Gedanke dass sie nie ein richriges Hundeleben hatten sehr weh tut, aber ich bin Studentin und habe weder Zeit, Geld noch Platz.

    Daher meine Frage an euch:
    Wie steht ihr zu dem Thema?
    Glaubt ihr dass es mit mehr Zeit und individueller Aufmerksamkeit (zb. in Pflegestellen) moeglich ist, solche Hunde zu resozialisieren?
    Fallen euch vielleicht Alternatieven ein?
    Oder glaubt ihr dass es vielleicht sogar dass beste ist, diese Hunde gehen zu lassen, da sie sich unter Umstaenden nie einfinden wuerden?

    Vielen Dank im Vorraus!

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    AW: verwilderte Hunde resozialisieren?

    Hast du schon mal die Tipps vom Hundeflüsterer gelesen? Eventuell hilft dir das ja bei deinem Problem!?

  3. #2

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    AW: verwilderte Hunde resozialisieren?

    So leid es mir tut, es gibt nicht immer ein Happy End - und ob es so schlimm ist, das ein Hund eingeschläfert werden muss, wird nicht einfach so gemacht. Das wird normaler Weise sehr gründlich von Fachpersonen beurteilt. Kernpunkt sollte sein was für das Tier die "Beste" oder vertretbarste Lösung wäre.

    Es ist für die Hunde sicher kein schönes Leben, nach ihrer schwierigen Vergangenheit für den weiteren Rest ihres eh schon traumatisierten Lebens zitternd in der Ecke zu verbringen.

    Mir macht es den Eindruck, das du die Situation vielleicht etwas unterschätzt. Was sollte es den besagten Hunden bringen, wenn du sie zu dir nehmen würdest? Schlimmstenfalls käme es zu unvorhersehbaren Beißvorfällen, weiteren negativen Erlebnissen für die vorbelasteten Hunde. - Möglicher Weise könnte für diese Hunde auch eine Halteerlaubnis nötig sein.

    Sie würden aufgrund ihrer Vergangenheit auch weder im Tierheim noch auf einem Pflegeplatz ein "richtiges Hundeleben" haben, wenn sie so schwierige Fälle sind wie ich deine Beschreibung verstanden habe.

    Vielleicht hilft es dir die Entscheidung nachvollziehen zu können, wenn du mit den zuständigen Mitarbeitern des Tierheims darüber redest, aus welchen Gründen für Hugo und Jordy diese Entscheidung getroffen wurde.
    Geändert von mottine (10.05.2018 um 22:42 Uhr) Grund: komplettes Zitat

  4. #3
    Avatar von Murmelona
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    AW: verwilderte Hunde resozialisieren?

    Ich beschäftige mich seit Jahren mit der Hunderettung in den USA und mögen zwar manche Strukturen anders sein, die Probleme bleiben die gleichen. Das, was du beschreibst, ist tragisch, aber nicht unbedingt hoffnungslos. 6 Monate sind für solche Hunde nichts. Da stecken Jahre an unermüdlicher Sozialisierungsarbeit drinnen, wobei es leider Hunde gibt, die trotz aller Expertise des Hundehalters, nie hundertprozentig zutraulich werden. Das muss man sich klar sein. Selbst wenn diese Hunde zu dir und ihrer Umgebung langsam Vertrauen bezeugen, bedeutet das nicht, dass sie bei einem neuen Besitzer sofort das Weite suchen oder aus Angst um sich beißen.

    Solche Hunde sind nur an Menschen adoptierbar, die ein tiefes Verständnis für die Situation haben und Erfahrung, wie man scheue Hunde behandelt. Leider gibt es die nur sehr selten. Die meisten (und man sieht es oft hier) erwarten, dass der Hund von Anfang an funktioniert.

    Wir hatten einen Hund, Sammy, der war wild geboren und bis zu 6 Monaten wild aufgewachsen. Seine Fortschritte waren in Jahre zu bemessen.
    Unsere Nikki, von der wissen wir nichts von ihrer Vergangenheit, ist zutraulich zu uns, aber nicht zu Fremden. Da ändert sich nichts mehr. Sie knurrt selbst mich an, wenn sie meint, ich könnte eventuell doch etwas tun, das ihr nicht passt. Sie liebt mich, wird depressiv, wenn ich nicht da bin, ruft die ganze Zeit nach mir, wenn ich außer Sicht bin, aber trotzdem, tief drinnen gibt es noch nach 7 Jahren den wilden Rest.
    Eine Bekannte hat eine Meute wilder Hunde adoptiert. 2, 3 kamen sofort zu ihr, 1, 2 der 13 lassen sich nach 4 Jahren noch nicht anfassen.

    Ob deine zwei sich nach einem Jahr bessern und zu ihrem Menschen genug Vertrauen fassen, kann ich nicht und vermutlich niemand vorhersagen. Ich kann nur auf Erfahrungen von anderen Organisationen und Tierrettern zurückgreifen, dass es in den meisten Fällen gelingt, wenn man nur genügend Zeit verstreichen lässt, die Hunde einigermaßen zu sozialisieren, aber es wird immer welche geben, die zu "verdorben" sind. Ich verstehe daher die Bedenken des Tierheims, denn schließlich nehmen die 2 wertvollen Platz weg.

    Kannst du sie nach Hause nehmen, als Auszeit vom Tierheim? Manchmal hilft die Wohnungsumgebung, dass die Hunde relaxen. Allerdings musst du supervorsichtig sein, dass du sie nicht verlierst.

  5. #4
    Avatar von Cocker
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    AW: verwilderte Hunde resozialisieren?

    Das Beste für das Tier zu finden ist sicher nicht einfach. Vielleicht ist eine Unterbringung in einem Gnadenhof sinnvoll, wenn die Hunde keinen Zugang zu Menschen finden können.

    Man kann die Hunde konditionieren, aber das erfordert Geduld, Fachwissen und vielleicht ein bisschen Verrücktheit.

    Sind die Tiere anhaltend aggressiv gegenüber Menschen, dann sehe ich allerdings keine Zukunft für sie. Man kann keinem zumuten über Jahre hinweg mit so einem Tier zu arbeiten. Ein Tierarzt der Verhaltensbiologie als Schwerpunkt hat, kann vielleicht die Chancen der Hunde am besten beurteilen.

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